"Jura als satirische Königsdisziplin"

Gemeinhin gilt die Juristerei als eine dröge Materie, die an Humorlosigkeit kaum zu unterbieten ist.

Den Gegenbeweis tritt Werner Koczwara an.

Der Kabarettist hat sich seit fast sechs Jahren thematisch überwiegend der Juristerei verschrieben, nachdem er im Jahr 2000 mit "Am 8. Tag schuf Gott den Rechtsanwalt" einen Vorstoß in Richtung Justiz-Farce wagte. Diesem Erfolgsprogramm folgte sogar noch ein Nachfolger namens "Tyrannosaurus Recht".

Dabei weiß er den juristisch Gelehrten wie auch den Laien gleichermaßen mit holprigen Formulierungen und altbackenen Begriffen aus Gesetzen sowie authentischen Zitaten aus Gerichtsurteilen trefflich zu unterhalten.

"Ein Programm über ein Thema, das derart im Verdacht steht, trocken und unlustig zu sein, das ist schon so eine Art satirische Königsdisziplin", beschreibt der Schwabe seine Motivation.

Selbst konnte sich der Vater zweier Kinder allerdings nie für das Studium der Rechte begeistern, sondern versuchte sich ganze vier(!) Tage an Germanistik und danach mit größerem Erfolg für Publizistik, Amerikanistik sowie Politik.

Umso mehr "harte Arbeit" steckt in der Entstehung eines solchen Programms. "Allein, bis Du als Nicht-Jurist in der Lage bist, die NJW zu lesen, bist du schon halb verrückt geworden: Diese Satzmonster", resümiert der 47jährige lachend. Von stattlichen "500 Seiten" eines Entwurfes, werden allerdings nur die "50 Lustigsten" letztlich in ein Programm übernommen.

Wie viele Juristen sich unter den ca. 250.000 Zuschauern seiner Programme befanden, vermag er nicht zu beziffern, aber Juristen seien ein "sehr angenehmes Publikum". So ist es wenig überraschend, dass er gerne für Auftritte bei "Kongressen, Tagungen und auch schon mal bei einem Anwalt zum fünfzigsten Geburtstag im Wohnzimmer" engagiert wird. Bei Auftritten ausschließlich vor Juristen verzichtet er aber bewusst etwa auf "Paragrafen, die für den Normalbürger absurd klingen, für den Juristen aber Alltag sind, um nicht zu langweilen".

Sein "schönstes Erlebnis" bleibt aber der Auftritt im Sitzungssaal des Bundesverfassungsgerichts im Sommer 2001. Die damalige BVG-Präsidentin, Jutta Limbach, suchte "etwas Besonderes zu den Feierlichkeiten anlässlich des fünfzigsten Bestehens" und wurde über einen Redakteur vom SWR auf Koczwara aufmerksam. "Überrascht" war der Künstler, dass "so viel gelacht" wurde und fügt nicht minder stolz hinzu: "Danach und davor an diesem Ort wahrscheinlich nicht mehr annähernd so heftig".

Übrigens hat jeder schon einmal über einen Sketch aus der Feder des Schwäbisch Gmündeners gelacht, selbst wenn man noch nie Besucher eines seiner Programme war. Über viele Jahre war er nämlich als Autor für so namhafte TV-Shows wie "Harald Schmidt", "Wetten, dass." oder "Hallervorden´s Spott-Light" tätig. Allerdings ist die Zusammenarbeit mittlerweile beendet. Mit Hallervorden rede er "nur noch über seinen Rechtanwalt" und die Arbeit für "Harald Schmidt" sei auf Dauer zu "anstrengend" gewesen. "Man bekommt morgens um 11 Uhr eine E-Mail mit fünf Themen und hat 180 Minuten Zeit, um zwanzig Pointen zu schreiben.", plaudert er aus dem Nähkästchen. Harald Schmidt sei aber "ein lieber Kollege, der auch blendend ohne Fremd-Autoren klarkommt".

Im Frühjahr 2005 hat Koczwara die Premiere seines neuen Programmes "Der wüstenrote Neandertaler oder wie aus dem Affen Bausparer wurde" gefeiert. Darin spielt er den "komischen Bruder von Indiana Jones". Ist er also der Juristerei überdrüssig geworden? "Ich habe drei juristische Programme geschrieben. Das reicht. Es wird jetzt noch ein Best of "Warum war Jesus nicht rechtsschutzversichert?" geben. Ein Ende der Gastspiele ist allerdings nicht abzusehen", weiß der Künstler diese Vermutung zu zerstreuen. Außerdem "lasse ich die Best-Of-Fassung derzeit ins Englische übersetzen. Ich habe den kühnen Plan, mit diesem Programm dann weltweit aufzutreten, speziell bei internationalen Juristenkongressen".

Wessen Neugierde nun geweckt ist, kann sich unter www.koczwara.de über die aktuellen Tourtermine informieren. Alle Programme sind auch als Livemitschnitt auf CD im Verlag Con Anima erschienen und ein passendes Geschenk zur Haftentlassung oder dem bestandenen Staatsexamen.

Von Constantin Körner
 
 

Auszüge aus den Programmen:

  • "Das BGB ist allein schon eine gewaltige technische Leistung. Es wurde vor über 100 Jahren geschrieben und war schon damals so gut verschlüsselt wie heute das TV-Programm von Premiere. Seitdem dient der Anwalt als gebührenpflichtiger Decoder."

  • "Der Sartorius eignet sich hervorragend als Einschlafhilfe: Drei Flaschen Bier und zwei Verwaltungsparagraphen und sie ratzen durch wie halb tot. Ohne Nebenwirkungen."

  • "Martin Luther kam auf die Idee, die Bibel ins Deutsche zu übersetzen, um diese der Masse verständlich zu machen. Beim BGB ist man den umgekehrten Weg gegangen: Weg vom Verständnis, hin zum Kennenmüssen der Kenntnis."

  • "Laut Landesjagdgesetz dürfen schlafende Vögel nicht erschossen werden. Also gilt: Es wird steinalt der Zeisig. Kein Wunder, denn er poft ja fleißig!"

  • "Nach einem Urteil des BGH aus dem Jahre 1968 muß jeder Anwalt die NJW lesen, die wöchentlich erscheint. Das ist Buchclub in verschärfter Form!"




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